Warum Bern ein unterschätzter schwieriger Standort für die Gewinnung von Führungskräften ist
Eine Stadt mit Bundesinstitutionen, Universitätskliniken und einer Handvoll dominanter privater Arbeitgeber funktioniert bei der Besetzung von Führungspositionen grundlegend anders als Zürich oder Basel. Berns Talentmarkt ist eng, stark vernetzt und von Kräften geprägt, die konventionelle Rekrutierung regelmässig ins Leere laufen lassen.
Berns Wirtschaft wird von der Bundesverwaltung und der Kantonalregierung getragen. Diese Institutionen sind nicht nur grosse Arbeitgeber – sie sind direkte Konkurrenten um dieselben Ingenieure, Regulierungsspezialisten, Compliance-Führungskräfte und Digitalprofis, die auch private Unternehmen brauchen. Das Ergebnis ist ein aufwärts gerichteter Gehaltsdruck bei kritischen Besetzungen und ein kleinerer ansprechbarer Pool an Führungskräften, als die Einwohnerzahl der Stadt vermuten liesse. Wenn BKW einen Head of Grid Management oder ein Medizintechnik-Startup einen Chief Regulatory Officer sucht, ist die Suche von Beginn an durch einen Markt eingeschränkt, in dem viele qualifizierte Kandidaten in stabilen, gut vergüteten Positionen im öffentlichen Dienst sitzen und kaum bereit sind, diese aufzugeben.
Berns Medizintechnik-Translationsökosystem rund um sitem-insel, CSEM und die Universität Bern gewinnt an Dynamik. CSEM plant bis 2026 rund 65 MedTech-Spezialisten, davon etwa 43 mit Standort Bern. Der Swiss Medtech Day 2025 zog rund 800 Fachleute in den Kursaal. Doch einem Cluster in der Wachstumsphase fehlt noch eine tiefe lokale Basis an erfahrenen kommerziellen Führungskräften. Heads of R&D, VP-Level Regulatory Affairs Directors und Produktverantwortliche mit Erfahrung in der Kommerzialisierung von Medizinprodukten sind vor Ort rar. Sie müssen in Basel, Zürich, dem Genfersee-Bogen oder international identifiziert werden. Die Suche muss daher von Anfang an auf grenzüberschreitende Reichweite ausgelegt sein – und darf nicht erst nachträglich angepasst werden, wenn die lokale Beschaffung scheitert.
Berns Führungsgemeinschaft im privaten Sektor ist im Vergleich zu Zürich oder Genf klein. Führungskräfte in den Bereichen Energie, Telekommunikation, Medizintechnik und Finanzdienstleistungen bewegen sich in überlappenden Netzwerken. Eine schlecht geführte Kandidatenansprache, ein zurückgezogenes Angebot oder ein indiskretes Gespräch sprechen sich schnell herum. Prozessqualität wird damit zum echten Wettbewerbsfaktor. Unternehmen, die Executive Search als transaktionale Übung behandeln, riskieren ihren Ruf in einem Markt, in dem sie künftig erneut einstellen müssen. Der Go-To Partner-Ansatz (EN) ist genau für solche Umgebungen konzipiert: langfristige Beziehungen, akkumuliertes Marktwissen und die Verpflichtung, die Arbeitgebermarke des Kunden in jeder Kandidateninteraktion zu schützen.