Warum München einer der umkämpftesten Executive-Märkte Europas ist
Klassische Rekrutierung scheitert in München aus Gründen, die nichts mit Engagement zu tun haben, sondern ausschließlich mit der Marktstruktur. In dieser Stadt mit 1,6 Millionen Einwohnern schöpfen mehrere Fortune-Global-500-Unternehmen, ein erstklassiges Forschungsökosystem und einer der dichtesten Startup-Cluster Europas aus demselben Pool an technischen und kommerziellen Führungskräften. Eine Stelle auszuschreiben und auf Bewerbungen zu warten, liefert ein oberflächliches, nicht repräsentatives Kandidatenfeld. Die Führungskräfte, die hier den Unterschied machen, sind bereits angestellt, gut vergütet und nicht auf Stellensuche.
Ein Leiter für Embedded Systems bei BMW ist gleichermaßen attraktiv für Infineon, für Siemens und für drei VC-finanzierte Deep-Tech-Unternehmen im Isar-Valley-Korridor. Ein Aktuariats-Direktor bei Munich Re besitzt Kompetenzen, die auch Allianz und ein Dutzend Insurtech-Startups benötigen. Münchens Branchencluster operieren nicht isoliert – sie überschneiden sich auf der Ebene einzelner Kompetenzen: Leistungselektronik, Machine Learning, Risikomodellierung, regulatorische Angelegenheiten. Das bedeutet, dass jede seriöse Suche nicht nur mit direkten Branchenkonkurrenten konkurriert, sondern auch mit angrenzenden Industrien, die dasselbe Profil suchen. Der sichtbare Kandidatenmarkt ist nur ein Bruchteil des tatsächlichen.
Münchens angespannter Immobilienmarkt erzeugt einige der höchsten Büromieten und Wohnkosten in Deutschland. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Gewinnung von Führungskräften: Gehaltserwartungen liegen über dem Bundesdurchschnitt, Umzugspakete erfordern sorgfältige Kalibrierung, und Kandidaten, die bereits in der Stadt etabliert sind, haben erhebliche Wechselkosten. Sie leben häufig in Doppelverdiener-Haushalten, haben Kinder an bestimmten Schulen und sind in professionelle Netzwerke eingebettet, deren Aufbau Jahre gedauert hat. Ein Suchprozess, der sich über drei Monate hinzieht, verliert Kandidaten an schneller agierende Wettbewerber. Jede Woche, in der eine Führungsposition unbesetzt bleibt, verursacht reale Kosten durch verzögerte Strategieumsetzung und Unsicherheit im Team – eine Dynamik, die in unserer Analyse zu den versteckten Kosten einer Fehlbesetzung auf Führungsebene (EN) ausführlich beleuchtet wird.
Münchens Executive-Community ist kleiner und enger vernetzt, als es die wirtschaftliche Leistungskraft vermuten lässt. Führungskräfte in der Versicherungsbranche kennen ihre Pendants in der Rückversicherung. Automotive-F&E-Direktoren sitzen in denselben TUM-Beiräten wie Halbleiter-Führungskräfte. Ein schlecht geführter Suchprozess, ein zurückgezogenes Angebot oder eine unbeholfene Ansprache eines passiven Kandidaten bleibt nicht privat – es spricht sich herum. Deshalb ist die Qualität des Suchprozesses ebenso entscheidend wie das Ergebnis. Der Go-To Partner-Ansatz (EN) von KiTalent ist darauf ausgerichtet, die Arbeitgebermarke des Klienten in jeder Kandidateninteraktion zu schützen. Und deshalb ist das Verständnis der versteckten 80 % der Führungskräfte, die nicht aktiv auf dem Markt sind (EN), kein Marketingkonzept, sondern eine operative Notwendigkeit.