Warum Neuchâtel einer der schwierigsten Executive-Märkte der Schweiz ist
Eine Stadt dieser Größe sollte einfach zu rekrutieren sein. Das Gegenteil ist der Fall. Neuchâtel konzentriert einige der spezialisiertesten industriellen Kompetenzen der Schweiz in einem Ballungsraum von 86.000 Menschen. Die Führungskräfte, die diese Organisationen leiten, vereinen technische Tiefe mit kommerziellem Gespür auf eine Weise, die herkömmliche Suchmethoden weder identifizieren noch ansprechen können.
Das Cluster rund um Microcity in Hauterive beschäftigt über 3.400 Personen. Vierzig Prozent haben einen postgradualen Abschluss. Die Zahl der Führungskräfte, die eine MEMS-Fertigung leiten, die ISO 13485-Compliance für ein MedTech-Spinoff verantworten oder ein Wasserstoff-Brennstoffzellenprogramm steuern können, ist außerordentlich gering. Zu jedem Zeitpunkt gibt es möglicherweise weniger als ein Dutzend qualifizierte Kandidaten für eine bestimmte Seniorposition. Konventionelle Stellenausschreibungen erreichen keinen von ihnen. Diese Kandidaten sind in festen Positionen, mit einem durchschnittlichen Ingenieurgehalt von CHF 118.000 gut vergütet und nicht auf Recruiting-Plattformen unterwegs. Die verborgenen 80 % der passiven Kandidaten (EN) zu erreichen, ist hier kein Luxus – es ist der einzig gangbare Ansatz.
Fünfunddreißig Prozent der industriellen Belegschaft Neuchâtels pendeln aus Frankreich, vorwiegend aus Pontarlier und Besançon. Diese grenzüberschreitende Abhängigkeit erzeugt regulatorische, steuerliche und vergütungstechnische Herausforderungen, die bei jeder Seniorbesetzung zum Tragen kommen. Ein Kandidat für die Position des Supply-Chain-Directors mit Wohnsitz in der Franche-Comté unterliegt anderen Sozialversicherungspflichten als einer mit Wohnsitz in Marin-Epagnier. Ein VP Operations, der aus Genf oder Lausanne umzieht, stößt auf eine Wohnungsleerstandsquote von 0,3 Prozent. Das sind keine Randdetails – sie entscheiden darüber, ob aus einem angenommenen Angebot zwölf Monate später eine langfristig besetzte Führungsposition wird.
Neuchâtels Cluster sind auf dem Papier klar abgegrenzt: Mikrosysteme, Uhrmacherei, Life Sciences, Cleantech. In der Praxis schöpfen sie aus derselben Population zweisprachiger französisch-deutscher Projektmanager, Multiphysik-Simulationsspezialisten und FPGA-Ingenieure. Wenn CSEM, Nivarox-FAR, Ypsomed und GreenGT gleichzeitig technische Führungskräfte auf Seniorlevel suchen, konkurrieren sie direkt um einen begrenzten Pool. Das Unternehmen, das den Zuschlag erhält, ist dasjenige, das bereits über fundierte Intelligence verfügt: Wer ist verfügbar, wer ist ansprechbar und was braucht es, um diese Person zu gewinnen. Genau das macht das Go-To Partner (EN)-Modell in einem so konzentrierten Markt unverzichtbar.